Asset Management-Branche erlebt strukturellen Wandel
(aav) Das Asset Management steht vor einem strukturellen Wandel. Wie die Studie „Redefining Asset Management in New Realities“ von Roland Berger Strategy Consultants zeigt, zwingen die Folgen der Finanzkrise, regulatorische Veränderungen sowie der demographische Wandel die Branche zu einer Neuausrichtung. Vor allem der asiatische Markt zeigt großes Potenzial, dort wuchsen die Asset Pools im Zeitraum von 2007 bis 2010 um 7% jährlich.
Allgemein herrschen im internationalen Asset Management deutliche Trends: Profitabel wachsen können künftig nur die Anbieter, die sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, die Kostenbasis flexibel gestalten und ihr Produktangebot auf Kundenbedürfnisse ausrichten. Im Zuge der jüngsten Verwerfungen an den Kapitalmärkten gewinnen außerdem die Funktion des Risikomanagers sowie eine Fokussierung auf die Kernkompetenzen an Bedeutung.
Aufstrebende Märkte im Fokus
Nach der ersten Finanzkrise im Jahr 2008, bei der Anleger herbe Verluste hinnehmen mussten und massiv Mittel abzogen, stieg das weltweit durch Asset Manager verwaltete Vermögen bis 2010 wieder auf 76 Bio. Dollar an. Zwei Drittel davon, also mehr als 50 Bio. Dollar, entfielen auf institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds.
Besonders positiv entwickelt sich der Asset Management-Markt in den Schwellenländern, allen voran Asien mit einem jährlichen Wachstum des verwalteten Vermögens um ca. 7% auf derzeit knapp 15 Bio. Dollar. Ein Wachstumstrend, der sich auch in Zukunft fortsetzen wird. Denn die Experten gehen davon aus, dass in Ländern wie China im Zuge des volkswirtschaftlichen Wachstums auch das verwaltete Vermögen bis 2015 um bis zu 14% jährlich zunehmen wird. Doch das internationale Geschäft stellt auch hohe Anforderungen, warnt Olaf Toepfer, Partner von Roland Berger Strategy Consultants: „Nach wie vor ist Asset Management vor allem ein lokales Geschäft. Nur wenige internationale Geschäftsmodelle sind dauerhaft erfolgreich. Allerdings ergeben sich in Asien aufgrund des Vermögenszuwachses signifikante Chancen für Asset Manager, die in der Lage sind, ihr Produktportfolio regional zu differenzieren. Auch strategische Partnerschaften mit lokalen Anbietern erscheinen durchaus lohnenswert.“
Gutes Wachstumspotenzial zeigen auch ausgewählte afrikanische Länder wie Nigeria und der Mittlere Osten. Dort nahm der Asset Management-Markt in den vergangenen Jahren um 10% jährlich aufknapp 2 Bio. Dollar zu. Rückläufig zeigte sich hingegen der amerikanische Markt mit einem jährlichen Minus von rund 1%.
Weiterhin stabil bleibt der deutsche Markt – doch der Wettbewerb nimmt in der Branche stark zu, warnt Frank Heideloff, Partner von Roland Berger: „Die Zeiten, in denen Asset Manager schnell und profitabel wachsen konnten, sind vorbei. Sicherlich wird Deutschland aufgrund des signifikanten verwalteten Vermögens im internationalen Vergleich ein wichtiger Markt bleiben. Jedoch erwarten wir hier einen harten Verdrängungswettbewerb zwischen heimischen und ausländischen Anbietern, vor allem im Drittvertrieb.“
Um im harten Wettbewerb bestehen zu bleiben, müssen sich Asset Manager verstärkt auf die Bedürfnisse ihrer Kundschaft fokussieren: Individualisierte und transparente Produkte sind dabei immer mehr gefragt. „Kunden sind heute viel besser über die Anlagemöglichkeiten informiert, agieren professioneller und haben außerdem ein ausgeprägtes Risikobewusstsein“, erklärt Matthias Hübner, Leiter der deutschen Asset Management Practice von Roland Berger. Denn vor allem seit der vergangenen Finanzkrise zeigen Investoren eine starke Risikoaversion.
Die Funktion des Risikomanagers gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Denn auf dem umkämpften Markt für Asset Management garantiert er die hohen Sicherheitsstandards der Anlageprodukte und dient der Vertrauensbildung zwischen Asset Manager und Kunden.
„Fokussierung auf Kernkompetenzen wird wichtiger
Der generelle Trend zu mehr Effizienz und verminderter Komplexität in der Branche fördert außerdem die Tendenz zum Outsourcing. Dabei geht es nicht nur um eine Reduzierung der aktuellen Kostenbasis, sondern vor allem auch eine höhere Flexibilität des Geschäftsmodells, um für zukünftige Krisen gewappnet zu sein. Somit sollten Asset Manager ihren Fokus nicht nur auf geringere Bonuszahlungen oder die Reduzierung von Sachkosten richten, sondern ihr Leistungsangebot entlang der gesamten Wertschöpfungskette kritisch überprüfen.
Denn die Marktzyklen werden kürzer und die Volatilität wird die Märkte weiterhin begleiten. Außerdem zeichnet sich die Asset Management-Industrie durch eine zunehmende Spezialisierung aus. So werden es zum Beispiel mittelgroße Asset Manager schwer haben, die hunderte Fonds anbieten und sich nicht nur als Anbieter für traditionelle Anlageklassen, sondern auch als Experten für Alternative Assets wie Private Equity, Hedge Fonds, Real Estate oder Commodities positionieren wollen.
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POOLS & FINANCE 2012
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